Mikroskopische Präparate im Leihkasten der Anatomie


zu Präparat 1; zu Präparat 50; zu Präparat 100; zur Herstellung; zur Färbetabelle.
 

Allgemeine Hinweise: Soweit es möglich ist, verwenden wir histologische Schnitte von menschlichem Gewebe. Organteile von Körperspendern werden frühestens nach Eintritt der sicheren Todeszeichen entnommen. Sie weisen daher oft bereits autolytische Veränderungen auf. Optimal konserviertes menschliches Gewebe konnte früher bei operativen Eingriffen gewonnen werden. Mit der Entwicklung schonender Operationsverfahren wird jedoch heute nur noch sehr knapp "im Gesunden" reseziert, so dass kein geeignetes Gewebe mehr für einen Kurs der Mikroskopischen Anatomie gewonnen werden kann. Daher greifen wir auf tierisches Gewebe zurück, das uns von anderen Abteilungen der Universität oder vom Schlachthof zur Verfügung gestellt wurde. Kein Tier wurde zur Gewinnung von Kursmaterial getötet. Gehen Sie besonders sorgfältig mit allen Schnitten um.

Die Schnitte sind thematisch in allen Kästen gleich angeordnet. Bei mehreren Präparaten sind die Serien jedoch unterteilt. Diese Unterteilung beruht darauf, dass bei manchen Schnittserien nicht mehr genügend Gewebe zur Verfügung stand, um über 400 Schnitte herzustellen. Das heißt, der a-Schnitt und der b-Schnitt sind verschiedener Herkunft. Als Beispiel:

Nr. 1 Lippe, Mensch, Goldner à alle Studierenden haben dieses Präparat

Nr. 58a Nebenniere, Mensch, HE à die eine Hälfte der Studierenden hat dieses Präparat

Nr. 58b Nebenniere, Rhesus, HE à die andere Hälfte der Studierenden hat dieses Präparat

Nr. 61 Hypophyse, Mensch, HE à die meisten Studierenden haben dieses Präparat

Nr. 61a Hypophyse, Schwein, PJS à einige Studierende haben dieses Präparat

Dies gibt Ihnen den Vorteil, Färbungen, Schnittwinkel, Herkunft oder gar Funktionszustände zu vergleichen. Sie sollten möglichst bald lernen, Zellen und Gewebe auf Grund ihrer Strukturmerkmale zu unterscheiden; die Färbetabelle sollten Sie als Hilfe betrachten.

Die Kästen mit ungeraden Zahlen enthalten die a-Schnitte, die mit geraden Zahlen enthalten b-Schnitte. Wenn Sie die Schnitte des Nachbarn betrachtet haben, achten Sie bitte darauf, dass Sie den richtigen Schnitt wieder in Ihren bzw. den richtigen Kasten zurücklegen.

Die Sammlung umfasst ca. 50.000 Objektträger, die alle gesichtet worden sind. Wenn Sie bei einem Schnitt grobe, entstellende Mängel erkennen, z.B. Luftblasen, Falten oder Scharten, dann melden Sie es uns bitte. Ansonsten nutzen Sie die Möglichkeit, Artefakte kennen zu lernen. Diese dürfen nicht mit möglicherweise pathologischen Befunden verwechselt werden! Fragen Sie, wenn Sie Zweifel haben.

 
1. Lippe
ZUM START Mensch, El-Goldner

Ihr erstes Präparat enthält eine Fülle verschiedener Gewebe. Prüfen Sie, ob Sie Unterschiede zwischen mehrschichtigem unverhorntem und mehrschichtigem verhorntem Epithel an Ihren eigenen Lippen spüren können. Sie wissen, dass die Lippe innen kleine Speicheldrüsen und außen Schweiß- und Talgdrüsen aufweist. Suchen Sie diese Drüsen im Schnitt und vergleichen Sie diese miteinander. Haben Sie Anschnitte von Haaren entdeckt? Die Muskulatur ist im Schnitt überwiegend quer getroffen - wie verlaufen die Fasern in der Lippe? Die Lippe ist ein gut durchblutetes, empfindliches Organ. Mustern Sie den Schnitt nach Blutgefäßen und Nerven (Neurokeratin besonders deutlich). Erkennen Sie die Grenze zwischen Felderhaut und Lippenrot?

Dieses Präparat bietet Ihnen auch die Möglichkeit, Artefakte kennenzulernen, z.B. extravasal gelegene Erythrozyten. Spalträume, die durch Schrumpfungen während der Entwässerung entstanden sind, oder Falten, die durch Unterschiede in der Streckung der Schnitte zustande kommen, müssen Sie bei allen Präparaten erkennen können.

Betätigen Sie die Mikrometerschraube, um abzuschätzen, wie dick ein Schnitt ist. Dieser Paraffinschnitt ist 8 - 10 µm dick.

2. Speicheldrüse

Ratte, Semidünnschnitt

Die auffälligsten Unterschiede zwischen diesen Schnitten und denen unter Nr. 1 sind die geringe Größe und die Färbung mit nur einem Farbstoff. Das Gewebe konnte besser fixiert werden, als dies bei menschlichem Gewebe möglich ist. Damit ist die Strukturerhaltung um ein vielfaches besser. Die in Kunststoff vorgenommene Einbettung macht es möglich, sehr dünne Schnitte (1-2 µm) anzufertigen. Zellkerne und Organellen wie Sekretgranula können ohne Überlagerungen erkannt werden. Die verschiedenen Strukturen sind in unterschiedlichen Blautönen dargestellt, abhängig von ihrem Substanzaufbau. Vergleichen Sie das Bild dieser Speicheldrüse mit denen im Präparat Nr. 1. Besonderheiten von allgemeinem Interesse: Mastzellen mit metachromatischen (violetten) Granula; basale Streifung in einem Abschnitt der Ausführungsgänge deutlich sichtbar.

3. Kopf

Ratte, 18. Fetaltag, HE

In diesen Schnitten können Sie eine fetale Entwicklungsstufe mehrerer Gewebe und Organe betrachten. Am auffälligsten sind die Augen, aber auch eine frühe Stufe der Zahnentwicklung ist zu sehen. Mesenchym, Knorpel, Knochen, Muskulatur und verschiedene Epithelien sind zu differenzieren. Gibt es in Ihrem Präparat einen Anschnitt durch das Gehirn?

4. Thorax

Ratte, 18. Fetaltag, Azan

Wie in den Schnitten Nr. 3 sind Entwicklungsstufen vieler Gewebe und Organe zu erkennen. Rückenmark, Wirbelsäule, Herz und Lunge sollten sorgfältig betrachtet werden. Können Sie feststellen, ob Ihr Schnitt weiter kranial oder kaudal von dem Ihres Nachbarn liegt?

5. Abdomen

Maus, 5 Tage alt, Goldner

Die Schnitte wurden quer zur Längsachse der Tiere hergestellt. Betrachten Sie die verschiedenen Gewebe und Organe und versuchen Sie, die Schnittebenen räumlich einzuordnen, z.B., welche Seite ist die rechte, welche die linke? Warum? Liegt der Schnitt vor oder hinter der Nabelebene? ---- (Wie bei den Präparaten 3 und 4 haben wir den Körper der Maus von einem Forschungsprojekt bekommen; das Tier wurde nicht für den Histologiekurs getötet!)

     
6. Knorpel

6a Rippenknorpel, Mensch, Delafield

6b Faserknorpel (nur im Monitor)

Dieser Typ des hyalinen Knorpels (6a) zeigt deutlich Territorien und Blutgefäße (Verhalten des Perichondriums dabei beachten!). Vergleichen Sie diesen Knorpel mit dem der Trachea und der Bronchien (Nr. 50), sowie mit dem Gelenkknorpel in Nr. 8.

7. Lamellenknochen

7 Rind, Schmorl

7a Rind, Schliff (besonders wertvoll!)

Diese Schnitte aus der Substantia compacta eines Röhrenknochens lassen Haversísche Systeme und Schaltlamellen gut erkennen. Prüfen Sie, ob Ihr Schnitt auch Generallamellen und Spuren von Periost aufweist. Der Knochen (7) ist entkalkt, geschnitten und gefärbt worden. Das Gewebe lässt sich nur schwer nach dem Schneiden glätten und ist daher etwas wellig. Betätigen Sie beim Arbeiten mit den stärkeren Vergrößerungen häufig die Mikrometerschraube! Bei der Serie 7a ist das Gewebe nicht entkalkt worden. Der mazerierte und getrocknete Knochen ist extrem dünn gesägt, geschliffen und ungefärbt nur mit einem Deckgläschen und Eindeckmittel versiegelt worden. Die Osteozyten sehen sie nicht; aber ihre Höhlen und Kanälchen erscheinen schwarz, weil die Luft in ihnen eine Totalreflektion des Lichtes verursacht. Vorsicht, sehr empfindliche, wertvolle und teure Präparate!

8. Gelenk

Ellenbogengelenk, Ratte, 5 Tage alt, Azan

Vergleichen Sie den Knorpel der Epiphysenfuge mit dem der Epiphyse. Im Knochenmark liegen Megakaryozyten, die mit den Osteoklasten nicht verwechselt werden sollten. Berücksichtigen Sie auch die anderen Gewebe wie Sehnen, Muskulatur und Haut.

9. Gewebe, Rinderschnauze (Versilberung)

Dieses Präparat ist ein Schnitt (senkrecht zur Oberfläche) durch die Schnauze eines Rindes. Es findet sich ein dickes, schwach verhornendes Plattenepithel mit tiefen Bindegewebszapfen und Unmengen von Nerven (schwarz). Apikal sind Gruppen von granulahaltigen Zellen (Inhalt unbekannt). Vereinzelt sind Langerhans-Zellen (bräunliche Fortsätze) vorhanden, basal Melanocyten (schwarz "gepunktete" Fortsätze). In den basalen Zellen sind auch Melanosomen. Unter dem Epithel finden sich lockere und straffe Bindegewebsformen, deren Fibrocyten mit ihren Fortsätzen dargestellt sind (dunkelbraun). Einfache Paciniforme Endigungen, Ausführungsgänge, Arterien, Venen und Lymphgefäße sind ebenfalls vorhanden. Im unteren Bereich sind große Drüsenpakete (sero-mukös) mit Schalt- und Streifenstücken. Bei diesem Präparat sollen Sie üben, Gewebe an Hand seiner charakteristischen Strukturmerkmale zu diagnostizieren (Novotny).

10. Quergestreiftes Muskelgewebe

10a Hund, HE (längs geschnitten)

10b Mensch, HE (überwiegend quer geschnitten)

Gebrauchen Sie das Beleuchtungssystem Ihres Mikroskops, um herauszubekommen, bei welcher optischen Einstellung Sie die Querstreifung am besten erkennen können. Anhand welcher Kriterien können Sie beurteilen, ob die Muskelfasern zur Zeit der Fixierung kontrahiert oder entspannt/gedehnt waren? Beachten Sie auch das Perimysium externum mit kleinen Gefäßen. Die Serie 10b stammt von einem dickfaserigen Muskel (M. pectoralis major). Die Lage der Zellkerne ist besonders gut sichtbar. An den meisten Fasern ist die Fibrillenfelderung sehr deutlich (Cohnheim); wie kommt dieses Artefakt zustande?

11. Herzmuskulatur, längs

11a Hund, Delafield und van Gieson

11b Mensch, Delafield

Diese zwei Serien sind mit einer Farblösung (Delafield) behandelt worden, die Glanzstreifen besonders hervorhebt. Bei der Serie 11a können Sie zusätzlich das zarte Bindegewebe zwischen den Fasern gut erkennen. Mustern Sie die Schnittränder, um festzustellen, ob Endocard oder Epicard vorhanden ist.

12. Herzmuskulatur

12 Rind, HE

12a Schwein, Papillarmuskel, HE

Auf einer Seite vieler Schnitte (12) und allen Schnitten (12a) finden Sie Endocard. Dicht darunter liegen Anteile des Erregungsleitungssystems. Warum erscheinen die Purkinjefasern auffallend hell im Vergleich zur Arbeitsmuskulatur (Nr. 12)? Die Querschnitte eines Papillarmuskels (12a) machen die zentrale Lage der Zellkerne in den Muskelfasern sehr deutlich. In diesen Schnitten heben sich die Purkinjefasern nicht so gut von der Arbeitsmuskulatur ab. (Bei Nr. 12: Beachten Sie in einigen Präparaten deutliche Infiltrationen mit Leukozyten und, als vermutliche Ursache, Hinweise auf Befall mit Parasiten = einzelne Ansammlungen basophiler kernähnlicher Strukturen).

13. Gefäße

Rhesusaffe, ElHvG

Auf diesen Trägern finden Sie zwei Schnitte. Der größere ist von einer Arterie vom elastischen Typ mit umgebender Adventitia. Beachten Sie die Mischung von elastischen Fasernetzen mit glatten Muskelzellen in der Tunica media. Haben Sie Vasa vasorum gefunden? Suchen Sie den Querschnitt eines dicken Nerven auf - welcher könnte es sein? In der Umgebung der Nerven finden Sie sowohl uni- als auch plurivakuoläres Fettgewebe. Jeder 2. Schnitt enthält auch einen kleinen Lymphknoten (Anthrakose sowie zelluläre Infiltration im Randsinus). Der kleinere Schnitt auf dem Objektträger ist vom Mesenterium des Dünndarms. Arterien vom muskulären Typ zeigen eine klare Gliederung der Wandschichten. Neben den Arterien finden Sie eine Vene - sie ist ein Ast von welcher größeren Vene? Suchen Sie einschichtiges Plattenepithel: Mesothel auf der Oberfläche dieses Schnittes.

14. Peripherer Nerv mit Arterie

Mensch, ElHvG

Das Gewebe stammt von einem Körperspender. Der Nervus ulnaris und die neben ihm verlaufende Arteria ulnaris wurden gemeinsam entnommen. Im Längsschnitt können Sie den Aufbau einzelner Nervenfasern betrachten, im Querschnitt sehen Sie die Faszikel mit den bindegewebigen Hüllen. Haben Sie einen Ranvierschen Schnürring entdeckt? Die Schichten der Arterienwand zeigen auffällige altersbedingte Veränderungen. Können Sie diese charakterisieren?

15. Peripherer Nerv

15 N. ischiadicus, längs und quer, Ratte, Semidünnschnitt

15a N. ischiadicus, nur quer, Ratte, Semidünnschnitt

Die Myelinscheiden wurden durch Osmiumbehandlung sehr dunkel. Achten Sie bei den Querschnitten auf die Unterschiede im Kaliber der Fasern. Bei den Schnitten 15 handelt es sich um ein junges Tier (ca. 15 Tage alt), bei den Schnitten der Serie 15a um ein erwachsenes Tier. Bei der Serie 15a erscheint das Perineurium violett und das epitheloide Neurothel hebt sich dagegen deutlich bläulich ab. Beim Längsschnitt sind Ranvierísche Schnürringe nicht leicht zu finden. Können Sie sich vorstellen, warum? Suchen Sie im Bindegewebe nach Mastzellen. Auf manchen Objektträgern der Serie 15 befindet sich noch ein Stückchen Skelettmuskulatur.

16. Autonomes Ganglion (Grenzstrang)

Hund, Azan

Ganglien- und Mantelzellen sind sehr gut zu erkennen, ebenso das faserarme Bindegewebe und die Nervenfasern zwischen den Ganglienzellen. Markarme und marklose Nervenfaserbündel sind gut zu unterscheiden. Beachten Sie die faserreiche bindegewebige Kapsel.

17. Spinalganglion

17a Mensch, Azan

17b Rhesusaffe, Semidünnschnitt

Beachten Sie Unterschiede in der Größe der Neurone sowie im Kaliber der Fasern. In den Schnitten der Serie 17b können Sie erkennen, dass die Mantelzellen den Neuronen dicht aufliegen; manche Neurone in der Serie 17a weisen Schrumpfungsartefakte auf. In beiden Serien (a und b) sind Ursprungskegel zu finden. (Die dunklen Auflagerungen auf den Semidünnschnitten sind Färbeartefakte und nicht Bestandteile des Gewebes). In 17b ist neben dem Ganglion ein Ovarschnitt zu sehen.

18. Blutausstrich

Mensch, May-Grünwald

Der Blutausstrich stammt von einem gesunden Erwachsenen. Versuchen Sie zu bestimmen, ob das Blut von einem Mann oder einer Frau stammt. Der Ausstrich enthält unmittelbar neben dem Schildchen Regionen mit verklumpten Erythrozyten und auf der gegenüberliegenden Seite Regionen mit gequetschten Zellen. In diesen Regionen können Zellformen nicht beurteilt werden.

19. Lymphknoten

Hund, HE

Die Schnitte stammen zwar vom Lymphknoten eines Hundes, aber Sie können Zonen und Zelltypen gut differenzieren. Erkennen Sie Klappen in einem Lymphgefäß? Haben Sie Makrophagen und postkapilläre Venolen gefunden?

20. Tonsilla palatina

20a Mensch, ruhende Tonsille, HE

20b Mensch, aktive Tonsille, HE

Es ist leicht zu sehen, dass diese zwei Schnittserien nicht von demselben Menschen stammen. Die Tonsille 20a ist relativ klein und enthält "ruhende" Keimzentren in den Follikeln, während das Organ 20b erheblich größer ist und "aktivierte" Keimzentren enthält. Bei tangentieller Schnittführung scheinen die Krypten "verschlossen" zu sein, d.h. ohne Zugang zum Mund-Rachenraum. In Serie 20b ist die Leukozytendiapedese stärker ausgeprägt als in den Schnitten der Serie 20a. Bitte beachten Sie die deutlichen postkapillären Venolen, die wegen ihres spezialisierten Endothels mit kleinen Drüsenausführungsgängen verwechselt werden können.

21. Tonsilla lingualis

Mensch, HE

Diese Tonsille ist im Vergleich zur Tonsilla palatina recht flach und hat in manchen Schnitten nur undeutliche Krypten. Die Follikel haben kleine Sekundärzentren, die nicht in jedem Schnitt erfasst sind. Beachten Sie die Glandulae linguales posteriores zwischen den Bündeln quergestreifter Muskulatur.

22. Tonsilla pharyngea

Mensch, HE

Diese Tonsille musste operativ entfernt werden (adenoide Vegetation eines 3-jährigen Kindes). Tonsillen dieser Größe können die oberen Atemwege verengen. Das lymphatische Gewebe ist tief zerklüftet und mit respiratorischem Epithel überzogen.

23. Appendix vermiformis

Mensch, HE

Die Fülle der lymphatischen Sekundärfollikel macht es schwer, den typischen Wandaufbau des Magen-Darm-Traktes zu erkennen. Versuchen Sie die Lamina muscularis mucosae zu finden. Viele Follikelzentren enthalten unterschiedliche Zelltypen; können Sie Makrophagen identifizieren?

24. Milz

24a Rhesusaffe, Versilberung + Hämatoxylin + van Gieson

24b Rhesusaffe, Versilberung + Kernechtrot

Die Verteilung der Retikulinfasern (Kollagentyp III) wird in diesen Schnitten durch die Versilberung deutlich, denn das Silber lagert sich als metallische (tiefschwarze) Schicht auf der Oberfläche der Retikulinfasern ab, während es kolloidal (rötlich-braun) zwischen den Fibrillen vom Kollagen Typ I eingelagert wird. Bei den Schnitten der Serie 24a ist zusätzlich Kollagen Typ I hervorgehoben; bei den Schnitten der Serie 24b wurde nur eine Kernfärbung vorgenommen.

25. Milz

Mensch, HE

Die Gliederung in rote und weiße Pulpa sowie das Auftreten von größeren Gefäßen in den Trabekeln sind gut zu erkennen. Die Identifizierung der kleineren Gefäße und der zu ihnen gehörenden Pulpaareale ist wesentlich schwieriger. Viele Schnitte weisen Risse auf, die während des Schneidens zustandekamen - diese Risse dürfen nicht als Sinus missgedeutet werden. Sinus sind in den Präparaten 24a+b gut erkennbar. Bedingt durch eine (vergebliche) Reanimation ist es subkapsulär zu einer ungewöhnlichen Infiltration mit Leukozyten gekommen.

26. Thymus

KALB, HE

In den Schnitten dieser Serie ist eine stark ausgeprägte Rinde zu erkennen; die Hassall-Körperchen sind jung, d.h. sie haben noch recht große, zart eosinophile Zellen. Versuchen Sie, in der Rinde Retikulumzellen von Lymphozyten zu unterscheiden, sowie im Mark einzelne Epithelzellen zu erkennen.

26 Mensch, Azan

26a Kalb, HE

Das Gewebe der Serie 26 stammt von einem Kind. Zwischen Rinde und Mark herrscht ein ausgewogenes Mengenverhältnis. Die Hassall-Körperchen sind deutlich zu erkennen, aber nicht sehr groß. In den Schnitten der Serie 26a ist eine stark ausgeprägte Rinde zu erkennen; die Hassall-Körperchen sind weniger entwickelt als die in den Schnitten des kindlichen Organs. Versuchen Sie, in der Rinde Retikulumzellen von Lymphozyten zu unterscheiden, sowie im Mark einzelne Epithelzellen zu erkennen.

27. Glandula parotis

27a Mensch, HE

27b Mensch, HE

Zwischen beiden Schnittserien bestehen erhebliche Unterschiede. In Schnitten der Serie 27a können Sie sehen, dass in das Organ große Mengen Fettgewebe eingelagert sind und es andere pathologische Veränderungen aufweist. Die Schnitte der Serie 27b weisen diese Veränderungen nicht auf. Achten Sie auf die Mengenverhältnisse von Endstücken zu Streifenstücken. Haben Sie in Ihrem Schnitt einen Parotisstein erkennen können? (Beide Gewebsproben stammen von sehr betagten Körperspendern).

28. Glandula parotis und Pankreas

28 Marmosetaffe, Semidünnschnitt

Die Unterschiede im Aufbau dieser zwei Drüsen werden in diesen Schnitten besonders deutlich. Die sekretorischen Granula erscheinen in einem Teil der Schnittserien dunkel, im anderen hell oder ausgewaschen. Vergleichen Sie deshalb Ihre Schnitte mit denen der Nachbarn. Unterschiede zwischen A- und B-Zellen sind in den Inseln nicht gut zu erkennen; jedoch sind die Endothelzellkerne gut zu differenzieren.

29. Glandula submandibularis

Mensch, HE

Die Endstücke dieser Speicheldrüse sind hauptsächlich vom serösen Typ. Suchen Sie die spärlich vorhandenen mukösen Endstücke mit ihren serösen Halbmonden (von Ebner) auf. Alle Abschnitte des Gangsystems sind gut zu differenzieren.

30. Glandula sublingualis

Hund, HE

Das Gewebe stammt zwar vom Hund, ist jedoch dem des Menschen recht ähnlich. Die tubulösen Endstücke, viele davon verzweigt, dominieren im Blickfeld. Anders als beim Menschen besitzt die Drüse des Hundes wesentlich mehr Schalt-und Streifenstücke. Achten Sie auf die großlumigen Ausführungsgänge, Gefäße und Nerven in den Bindegewebszwickeln zwischen den Läppchen.

31. Zunge

31a Marmosetaffe, Semidünnschnitt

31b Marmosetaffe, Azan

Die Schnitte der Serie 31a enthalten alle eine Papilla vallata. Die meisten Schnitte der Serie 31b enthalten entweder eine Papilla vallata oder eine Papilla fungiformis. Versuchen Sie, in Ihrem Schnitt eine Geschmacksknospe zu finden. Die Querstreifung der Zungenmuskulatur ist besonders deutlich; mustern Sie Ihre Schnitte auf Nerven und Drüsen (v. Ebnersche Spüldrüsen). Vergleichen Sie mit Schnitt Nr. 21.

32. Zahnentwicklung

32a Maus, 1 Tag alt, HE

32b Maus, 5 Tage alt, HE

Die Zahnentwicklung des ersten postnatalen Tages der Maus entspricht etwa der Zahnentwicklung im zweiten Embryonalmonat des Menschen. Die Zahnentwicklung des fünften postnatalen Tages der Maus entspricht etwa derjenigen der frühen Fetalentwicklung des Menschen. Vergleichen Sie die Entwicklungsstufen der Ameloblasten und Odontoblasten sowie der Pulparegionen. Ist ein Teil der Zahnleiste noch erkennbar? Eine frühe Entwicklungsstufe der Zahnglocke finden Sie bei der Schnittserie Nr. 3. Bei allen drei Serien sollten Sie auch die den jungen Zahn umgebenden Gewebe betrachten.

33. Zahn

33a Zahn, Mensch, Schmorl (braun) oder Azan (blau)

33b Zahn, Mensch, HE

Die Schnitte durch ganze Zähne sind kleiner als Sie erwarten würden: Die Entkalkung hat den gesamten Schmelz entfernt. Übriggeblieben sind nur die organische Substanz des Dentins, des Zementes und der Inhalt der Pulpahöhle. In den Azan und HE gefärbten Schnitten sind Odontozyten und das zarte, mesenchymartige Bindegewebe gut erhalten. Die Schmorlfärbung hebt Zementozyten hervor. In allen Schnitten sind Dentinkanälchen gut zu erkennen.

34. Oesophagus

34 Schwein, PJS + Hämalaun

34a Schwein, HE

Alle Schnitte dieser Serie stammen von der gleichen Gewebsprobe. Vergleichen Sie das Erscheinungsbild des Epithels, der Drüsen und insbesondere der Muskulatur. Die PJS Reaktion hebt die Basalmembran hervor, und so sind die Unterschiede zwischen quergestreiften und glatten Muskelfasern sehr deutlich. Auch die Zellgrenzen im Epithel sind gut erkennbar. Aufgrund der Intensität der PJS-Reaktion lässt sich die Morphologie der Drüsen nur schlecht erkennen; sie ist im HE Schnitt besser erkennbar. Achten Sie darauf, dass die Lamina muscularis mucosae im Schnitt nicht als Kontinuum erscheint. Woran liegt das?

35. Oesophagus

Marmosetaffe, Semidünnschnitt

Auch bei diesen kleinen Schnitten sind alle Schichten des Magen-Darm-Traktes gut erkennbar. Sind in Ihrem Schnitt sowohl glatte als auch quergestreifte Muskulatur in der Tunica muscularis zu sehen? Glandulae oesophageae sind bei dieser Affenart selten. Beachten Sie das im Semidünnschnitt besonders gut erkennbare Stratum spinosum im mehrschichtigen unverhornten Plattenepithel.

36. Magenfundus

36 Hund, PJS + Hämalaun

36a Hund, HE

Bei beiden Schnitten ist erkennbar, dass durch die Vorbehandlung des Gewebes der extrazelluläre Raum stark erweitert ist. Die Drüsen stehen weit auseinander. In der PJS- Reaktion wird der Kapillarplexus in der Lamina propria besser hervorgehoben als in der HE Färbung. Warum?

37. Magen

37 Mensch, HE

37a Rhesusaffe, HE

Die Schnitte der Serie 37 zeigen eine hohe, dichte Tunica mucosa. Die Magendrüsen sind lang, die Foveolae gastricae relativ flach. In den Schnitten der Serie 37a ist die Tunica mucosa nicht so hoch und dicht, die Drüsenschläuche stehen weit auseinander. Die Zelltypen, aus denen die Drüsen bestehen, sollten Sie klar differenzieren können. Bei welchem Zelltyp ist Zweikernigkeit häufig? Welche Eigenschaften führen dazu, dass sich manche Zellen färberisch basophil, andere azidophil verhalten?

38. Pylorus

38a Pylorus, Rhesusaffe, HE

38b Pylorus, Hund, Goldner

In den Schnitten der Serie 38a sind die Schichten der Tunica mucosa sehr kompakt; dadurch heben sich die Pylorusdrüsen nicht deutlich von den Grübchen ab. Die Lamina propria enthält zahlreiche Zellen des Abwehrsystems. In den Schnitten der Serie 38b sind die verzweigten Drüsen und die Grübchen viel deutlicher zu erkennen. Bei beiden Serien finden sich vereinzelte Muskelfasern in der Lamina propria; die Tunica muscularis, insbesondere die Ringmuskulatur ist mächtiger als in anderen Abschnitten des Magen-Darm-Traktes.

39. Duodenum

39a Rhesusaffe, ElHvG

39b Rhesusaffe, HE

Die Schnitte der Serie 39a zeigen den Übergang zwischen Pylorus und Duodenum. Beachten Sie die ausgeprägten Brunnerschen Drüsen in der Tela submucosa sowie das Vorkommen vieler Lymphfollikel. Die Enterozyten haben einen gut erhaltenen Bürstensaum; die Lamina propria enthält zahlreiche freie Bindegewebszellen, z.B. Plasmazellen. In den Schnitten der Serie 39b sehen Sie zusätzlich zum Duodenum einen Teil des Pankreas mit einem Ast des Ductus pancreaticus.

40. Jejunum

40a Mensch, HE

40b Mensch, HE

Bei den Schnitten der Serie 40b konnte die Tunica muscularis präparatorisch nicht erhalten werden, aber die Tunica mucosa ist besser erhalten als bei der Schnittserie 40a. Können Sie Panethísche Körnerzellen am Grunde der Krypten erkennen? Andere Zellen im Epithel haben einen rundlichen Kern und auffallend blasses Zytoplasma. Zu welchem Zelltyp gehören sie?

41. Ileum

Mensch, HE

Schon makroskopisch erkennt man die ausgeprägten Plicae circulares. Ein Teil der Schnittserie enthält Folliculi lymphatici aggregati. Die Autolyse der Lamina epithelialis mucosae ist recht weit fortgeschritten, und Sie müssen deshalb besser erhaltene Stellen aufsuchen, um Epithelzellen mit einem Bürstensaum zu finden. Die hellen Zellen, die zum entero-endocrinen System gehören, kommen auch in diesen Schnitten vor.

42. Colon

42 Hund, HE

42a Hund, Alzianblau + Kernechtrot

Beide Schnittserien stammen von der gleichen Gewebsprobe, sind aber verschieden gefärbt. Die Fülle der Becherzellen in der Lamina epithelialis mucosae ist in allen Schnitten auffällig, wird jedoch in den Schnitten der Serie 42a färberisch hervorgehoben. Auf manchen Schnitten liegt unter dem Deckglas ein kleines Kupfernetzchen aus der Elektronenmikroskopie - der Abstand zwischen den Stegen beträgt 115 µm. Nutzen Sie diese Maßangabe, um die Größe von Zellen und Zellkernen abzuschätzen.

43. Colon

Mensch, HE

Bei diesen Schnitten ist die Tunica mucosa scheinbar in Falten gelegt. Dieser Zustand ist durch die Entnahme und Fixierung bedingt: Ringmuskulatur ist kontrahiert. Die Arterien weisen altersbedingte Veränderungen auf.

44. Pankreas

Mensch, HE

Dieses Organ ist reichlich von Bindegewebe durchzogen (was normalerweise nicht der Fall ist). Daher kann man Drüsenendstücke und Schaltstücke leicht erkennen. Worauf beruht die Basophilie um die Kerne der exokrin tätigen Zellen? Die große Anzahl von Inseln gibt Aufschluss über den Pankreasabschnitt. Die feinen schwarzen Partikel gehören nicht zum Gewebe; es sind Formalinpigmente, Artefakt! Extravasale Erythrozyten deuten auf eine (präfinale) hämorrhagische Diathese hin.

45. Leber

Hund, HE

Die Leber des Hundes ist der des Menschen ähnlich. Die Zentralvenenläppchen sind durch sehr wenig Bindegewebe voneinander getrennt. Die Gewebserhaltung ist so gut, dass Sie unterschiedliche Zelltypen in den Sinusoiden und periportalen Feldern erkennen können. Haben Sie zweikernige Hepatozyten gefunden?

46. Leber, von Kupfferísche Sternzellen

Mensch, modifizierte HvG

Die Sternzellen enthalten zahlreiche dunkle Körnchen. Es sind vermutlich Reste von Phagosomen, denn im Pfortadergebiet befand sich ein zerfallender Tumor. In einer modifizierten HvG-Färbung (Präparate mit hellem Grundton) heben sich die Körnchen in den Sternzellen deutlich vom Hintergrund ab. Bei einer konventionellen HvG-Färbung (Präparate mit dunklem Grundton) muss man sorgfältiger nach den Körnchen suchen. Es handelt sich um eine pathologisch veränderte Leber (Leberzirrhose, Fettvakuolen in vielen Hepatozyten, Leukozyteninfiltrate; Glissonísche Trias oft schlecht zu erkennen).

47. Gallenblase

Mensch, HE

Das Organ ist operativ entfernt worden und daher sind manche Areale des Epithels deutlich mechanisch zerstört. Sie sollten das gesamte Epithel nach Stellen durchmustern, an denen die Epithelzellen und "Epithelbrücken" gut erhalten sind. Können Sie Schlussleisten finden? In fast jedem zweiten Schnitt befinden sich unmittelbar unter dem Epithel recht große helle Zellen in der Lamina propria. Es könnten die sogenannten Schaumzellen sein. Diese Zellen haben scheinbare Ähnlichkeit mit Fettzellen, wobei zu berücksichtigen ist, dass in den Schaumzellen der Zellkern zumeist zentral liegt.

48. nicht vorhanden

49. Epiglottis

Mensch, HE

Die zwei Epitheltypen sind nicht immer optimal erhalten, aber in den meisten Schnitten können Sie den Übergang von einem Epitheltyp zum anderen gut finden. Eine leichte Faserigkeit ist im Knorpel erkennbar, obwohl der Schnitt nicht für elastische Fasern gefärbt wurde. Wie lassen sich die Falten im Knorpel erklären? Sehen Sie Drüsen, Nerven?

50. Trachea und Bronchus

ZUM START 50a Trachea, Marmosetaffe, HE  
50b Bronchus, Kalb, ElHvG

Die Querschnitte der Trachea sind so gewählt worden, dass sie alle einen Anteil einer Knorpelspange sowie Paries membranaceus mit M. trachealis und Drüsen enthalten. Das respiratorische Epithel ist nicht so hoch wie beim Menschen. Die Schnitte der Serie 50b enthalten alle Gewebe, die für den Wandaufbau eines Bronchus charakteristisch sind. Können Sie eine Arterie des Hochdrucksystems (großer Kreislauf) finden? Beachten Sie auch die Bronchiolen im umgebenden Lungengewebe.
 

51. Lunge
Rhesusaffe, HE

Das Gewebe der kleinen Bronchien und Bronchiolen ist gut erhalten, die Alveolen sind dünnwandig. Sie können Zelltypen anhand ihrer Kernmorphologie gut differenzieren. Sehen Sie Ansammlungen von Zellen des Abwehrsystems; können Sie sich die schwarzen Partikel erklären?

51a Mensch, ElHvG

51b Rhesusaffe, HE

Das Gewebe der kleinen Bronchien und Bronchiolen ist relativ gut erhalten. In einem Bereich der Alveolen finden Sie zahlreiche, scheinbar "freie" Zellen. Es handelt sich teils um Zellen, die sich von der Wand der Alveolen abgelöst haben und teils um Makrophagen (Pneumonie?). In den Schnitten der Serie 51b sind die Alveolen dünnwandig, und Sie können Zelltypen anhand ihrer Kernmorphologie gut differenzieren. In beiden Schnittserien sehen Sie Ansammlungen von Zellen des Abwehrsystems; können Sie sich die schwarzen Partikel erklären?

52. Lunge

Rhesusaffe, Semidünnschnitt

Diese Schnitte sind bestens dafür geeignet, Zellen anhand ihrer Kernstruktur zu erkennen. Nicht nur die Zellen des Lungengewebes im engeren Sinn, z.B. Typ I und Typ II Pneumozyten sind unterscheidbar, sondern auch Muskelfasern, Fibrozyten, freie Bindegewebszellen, Becherzellen, Endothelzellen und Makrophagen. Ein großer Teil der Schnitte enthält Blutgefäße mit Erythrozyten.

53. nicht vorhanden

54. Niere

54 Rhesusaffe, HE

54a Ratte, HE

Die Schnitte der Serie 54a geben Ihnen schon makroskopisch eine Übersicht über die Gliederung der Niere. Gut zu erkennen sind: Rinde, Mark, Markstrahlen und die einzelne Papille mit ihrem Kelch (manche Schnitte enthalten auch die Nebenniere). Die Schnitte der Serie 54 stammen vom wesentlich größeren Organ eines Rhesusaffen und erfassen die Nephrone einer Papille. Versuchen Sie, in beiden Schnittserien die Gefäßarchitektur zu erkennen.

55. Nierenpapille

55a längs, Hund, HE

55b quer, Kaninchen, HE

Die Längsschnitte sind so orientiert, dass auch das Nierenbecken erfasst ist. Beachten Sie den Übergang vom einschichtigen Epithel an der Spitze der Papille zum Urothel am Rand des Nierenbeckens. Die Epithelien der Papille sind etwas niedriger als normal, weil es zur Zeit der Fixierung einen Harnstau in den abführenden Harnwegen gab. Bemühen Sie sich dennoch, die Unterschiede in den Epithelien der Sammelrohre und denen der Tubuli recti sowie der Kapillaren zu erkennen. Bei der Niere vom Kaninchen lag kein Harnstau vor; die Epithelien lassen sich daher leichter unterscheiden. Mikroskopieren Sie die Schnitte zunächst bei niedriger Vergrößerung, um die Gruppierung der Tubuli und Gefäße besser erkennen zu können.

56. Harnleiter/Samenleiter

Hund, ElHvG

Der Harnleiter ist dem des Menschen sehr ähnlich; das sternförmige Lumen ist gut ausgeprägt. Beachten Sie die zahlreichen kleinen Gefäße in der Lamina propria. Können Sie Nerven finden?

Der Samenleiter des Menschen enthält wesentlich mehr Muskulatur als der des Hundes (vgl. mit Nr. 65b!).

57. Harnblase

Rhesusaffe, El-Goldner

Die Tunica mucosa ist, bedingt durch den Kontraktionszustand der Harnblase, stark gefaltet. Im Urothel finden Sie Stellen, an denen die Crusta deutlich zu erkennen ist. Versuchen Sie, zweikernige Deckzellen zu finden. Die Muskulatur liegt teils längs, teils quer und häufig schräg zur Schnittebene. Machen Sie sich ein Bild davon, wie die Muskulatur im Organ angeordnet ist.

58. Nebenniere

58a Mensch, HE

58b Rhesusaffe, HE

Die Schnitte der Serie 58a stammen von einem Kind. Obwohl das Gewebe nicht gut erhalten ist, können Sie die Gliederung in Rindenzonen und Mark gut erkennen. Die Ganglienzellen im Mark lassen sich besser in den Schnitten der Serie 58b differenzieren. Versuchen Sie, die besondere Gefäßarchitektur zu erfassen. Neben dem Organ liegt Fettgewebe. Wie unterscheidet sich das des Affen von dem des Menschen?

59. Glandula thyroidea

Hund, HE

Das Gewebe stammt von einem jungen Tier und enthält Areale mit zahlreichen sehr kleinen Follikeln. Können Sie anhand der Höhe des Follikelepithels den Funktionszustand der Drüse beurteilen? Parafollikuläre C-Zellen wurden zuerst beim Hund entdeckt. Bei dieser Art sind sie größer und deutlicher als beim Menschen. Die verzweigten weitlumigen Räume im Schnitt sind hauptsächlich Kapillaren, wie Sie an den Endothelzellen erkennen können. Artefizielle Spalträume haben kein Endothel.

60. Glandula parathyroidea

60a Mensch, HE

60b Hund, HE

Die Schnitte der Serie 60a stammen vom Organ einer älteren Körperspenderin. Der ursprünglich kompakte epitheliale Zellkomplex ist durch gefäßführendes Bindegewebe und Fettzellen aufgelockert. Die Hauptzellen und die in kleinen Gruppen vorkommenden azidophilen oder oxyphilen Zellen sind gut voneinander zu unterscheiden. Bei den Schnitten der Serie 60b ist die epitheloide Anordnung der Zellen in Form von kurzen Strängen wesentlich besser zu erkennen. Das Tier war jung, und deshalb sind azidophile Zellen kaum zu finden.

61. Hypophyse

61 Mensch, HE

61a Schwein, PJS + Hämalaun

Von beiden Organen wurden Sagittalschnitte hergestellt, in denen Sie Vorderlappen, Hinterlappen und Stiel erkennen können. Versuchen Sie auch, den Mittellappen zu finden; in vielen Schnitten enthält er kolloidgefüllte Follikel. Bitte beachten Sie, dass die Zellen, die durch die PJS Reaktion violett-rötlich hervorgehoben werden, nicht den azidophilen Zellen in der HE Färbung entsprechen.

62. nicht vorhanden

63. Hoden

Rhesusaffe, HE

Der Hoden dieser Affenart ist dem des Menschen sehr ähnlich. Makroskopisch gut erkennbar sind die äußeren Gewebeschichten: Tunica vaginalis testis und Tunica albuginea. Prüfen Sie, ob in diesen Hüllen auch Muskelfasern vorkommen. Die Septulae testis verlaufen radiär zum Mediastinum testis hin, in dem Sie das Rete testis sehen können. Das Gewebe stammt nicht von einem Alphatier in der Gruppe - dies drückt sich in der geringen Zahl Leydigscher Zellen im interstitiellen Gewebe aus. Sertolizellen sind in den Tubuli seminiferi contorti erkennbar. Der Nebenhoden wird nicht von der T. albuginea umschlossen. Welcher Abschnitt des Nebenhodens ist zu sehen?

64. Nebenhoden

64 Mensch, ElHvG

64a Mensch, ElHvG

Die Schnitte der Serie 64 enthalten Anschnitte von Ductuli efferentes und dem Ductus epididymidis. In den Schnitten der Serie 64a finden Sie nur Anschnitte von Ductuli efferentes. Beachten Sie das Vorkommen von recht großen Zysten. Woran können Sie die Fertilität dieses Mannes beurteilen?

65. Samenstrang/Samenleiter

65a Samenstrang, Hund, HE

65b Samenleiter, Mensch, HvG

In den Schnitten 65a können Sie neben dem Ductus deferens auch die Leitungsbahnen des Hodens erkennen. Besonders auffällig ist der Plexus pampiniformis. Bei manchen Schnitten finden Sie Spermien in einer Arterie (!), dies ist ein präparatorisch bedingtes Artefakt. Können Sie den Muskel, der außerhalb der Fascia spermatica interna liegt, identifizieren? In den Schnitten der Serie 65b ist die Dicke der Tunica muscularis auffällig. Machen Sie sich ein Bild vom Faserverlauf der Muskulatur.

66. Prostata

Mensch, ElHvG oder Goldner

Die tubulo-alveolären Drüsen des Organs zeigen große morphologische Unterschiede, die mit ihrem Funktionszustand und einer Erkrankung zusammenhängen. Neben kleinlumigen Drüsenendstücken mit hohem Epithel sehen Sie großlumige Endstücke mit extrem niedrigem Epithel.
 
 

67. Glandula vesiculosa,   Rhesusaffe, HE   Die Drüse zeigt eine komplizierte Gliederung in Kammern, die durch schmale Scheidewände getrennt sind (vgl. Schleimhautbrücken der Gallenblase Nr. 47). Das Epithel ist prismatisch einschichtig bis zweireihig; Oberflächendifferenzierungen sind nicht zuverlässig zu erkennen. Versuchen Sie zu analysieren, wie die Muskulatur angeordnet ist. Beachte auch Gefäße und Nerven in der Tunica adventitia.

68. nicht vorhanden

69. Ovar

Hund, Azan

Alle Entwicklungsstadien der Follikel sind deutlich zu erkennen. Theca- (interna und externa) und Granulosazellen sind gut zu unterscheiden. In jedem 2. Schnitt finden sich Strukturen, die an Corpora lutea erinnern (typisch für bestimmte Tierarten). Das Oberflächenepithel ist gut erhalten. Können Sie das spinozelluläre Bindegewebe erkennen? Beachten Sie die Besonderheiten der Blutgefässe. (Können Sie Reste der Urnierengänge finden?)

70. Ovar mit Corpus luteum

70a Katze, HE

70b Mensch, HE

Das Ovar der Serie 70a enthält zahlreiche Follikel in unterschiedlichen Entwicklungsstufen und bis zu drei Corpora lutea. In diesen Schnitten findet man Zellen in größeren Arealen, die aus atretischen Follikeln hervorgegangen sind. Solche Zellen sind auch in den Schnitten der Serie 69a zu sehen. Sie kommen im menschlichen Organ in dieser Form nicht vor, sind aber funktionell mit den Thecaluteinzellen vergleichbar. Die Schnitte der Serie 70b können ein großes Corpus albicans, einen Graafschen Follikel und ein Corpus rubrum/luteum enthalten.

71. Ovar

Mensch im Senium, HE

In diesem Ovar sind keine Follikel mehr vorhanden. Im Vergleich zu den oben beschriebenen Ovarien ist das spinozelluläre Bindegewebe extrem dicht. Corpora albicantia unterschiedlicher Größe sind zahlreich vorhanden.

72. Tuba uterina

72 Schwein, HE

72a Mensch, HE

Die Schleimhaut beider Schnittserien ist außerordentlich stark gefaltet; in einem Querschnitt wirken die Falten verzweigt. Die Schnitte der Serie 72 sind vom Isthmusabschnitt der Tube angefertigt worden; hingegen stammen die Schnitte der Serie 72a aus dem Infundibulumbereich. Bei einem Großteil dieser Schnitte (72a) ist die Tunica mucosa nicht vollständig von Muskulatur umgeben; die Tube ist offen.

73. Uterus

73a Rhesusaffe, HE

73b Rhesusaffe, El-Goldner

Beide Schnittserien stammen vom selben Organ. Der Schnitt liegt quer zur Längsachse des Lumens; seitlich sehen Sie am Organ einen Teil der Adnexe. Beachten Sie folgende Schichten: Endometrium mit tubulären Drüsen, Myometrium durchsetzt mit zahlreichen Gefäßen und Perimetrium.

74. nicht vorhanden

75. Uterus

75a Cervix, Mensch, HE

75b Portio, Mensch, HE

Die Schnitte der Serie 75a sind längs zum Lumen des Organs orientiert. Das hochprismatische Epithel der Cervixdrüsen ist stellenweise gut erkennbar, an manchen Stellen ist das Epithel niedrig kubisch, weil die Drüsen erweitert sind. Das Myometrium enthält mehr Bindegewebe als der Corpusbereich des Uterus. Die Schnitte der Serie 75b sind quer zum Lumen des Organs orientiert. In das mehrschichtige unverhornte Plattenepithel ragen zahlreiche Bindegewebspapillen hinein.

76. Vagina

Mensch, HE

Die Gewebsprobe stammt von einer Körperspenderin. Das Epithel ist aufgrund des Alters sehr dünn.

77. Plazenta, unreif

Mensch, HE

Dieses Gewebe stammt aus der 9. Schwangerschaftswoche. Bei diesem Gewebe handelt es sich um Ausschabungsmaterial (Abradat) und sie müssen deshalb in einem Gewebskonglomerat Endometriumzellen (Deziduazellen) und Chorionzotten zwischen Blut, Zelltrümmern und Fibrinoid auffinden. Der Synzytiotrophoblast bedeckt den Zytotrophoblast vollständig. Die fetalen Blutgefäße enthalten kernhaltige Erythrozyten.

78. Plazenta, reif

Mensch, HE

Dieses Gewebe stammt aus der 32. bis 33. Schwangerschaftswoche. Den Aufbau einer Plazenta können Sie an diesem Präparat besser studieren als in Nr. 77. Auf der einen Seite des Schnittes befindet sich die Chorionplatte mit Amnion. Der intervillöse Raum enthält mütterliches Blut. Die Zotten der Pars fetalis haben kaum noch sichtbare Zytotrophoblastzellen. Fibrinoidablagerungen sind sehr häufig.
 

79. Mamma non lactans

Mensch, HE

In den kleinen Drüsenläppchen sind Drüsenendstücke kaum vorhanden. Die Läppchen sind von feinfaserigem Bindegewebe umgeben. In den Milchgängen sehen Sie manchmal ein rosa angefärbtes Kolloid.
 

80. Mamma zum Geburtstermin

Mensch, HE

Die Drüsenläppchen sind viel größer als in der Serie 79. Das Drüsenepithel ist leider nicht gut erhalten. Versuchen Sie, Milchgänge zu finden; sie enthalten zellreiches Kolostrum.

81. Nabelschnur

81 Mensch, HvG

81a Mensch, Toluidinblau

Das Bindegewebe in diesen Schnitten wird gallertiges Bindegewebe genannt (auch Whartonísche Sulze). In den Schnitten der Serie 81 sind die Unterschiede zwischen Arterien und Vene nicht sehr deutlich. In den Schnitten der Serie 81a hebt sich die Vene jedoch sehr deutlich von den beiden Arterien ab. Können Sie in Ihrem Schnitt einen Rest vom Allantoisgang erkennen?

82. Leistenhaut

82a Mensch, Versilberung

82b Mensch, ElHvG

Beide Schnittserien stammen von Fingerkuppen. Die Versilberung wurde vorgenommen, um Nervenfasern und Nervenendigungen schwarz hervorzuheben. Suchen Sie entlang der Basis des Epithels nach Anschnitten verschiedener Mechanorezeptoren und einzelner Nervenfasern. Im subkutanen Gewebe kommen unregelmäßig geformte Vater-Pacini-Körperchen vor. In den Schnitten der Serie 82b sind diese größer und regelmäßiger. Weiterhin sind die Schichten der Epidermis, insbesondere Stratum granulosum und Stratum lucidum in den Schnitten der Serie 82b besser zu differenzieren.

83. Kopfhaut

83 Mensch, HE

83a Mensch, Goldner

Das Gewebe der Serie 83 ist von einem Kind. Schweiß- und Talgdrüsen sind beim Kind vor der Pubertät weniger stark entwickelt als beim Erwachsenen. Das Stratum corneum der Epidermis ist größtenteils artefiziell abgelöst; dennoch können Sie die Diagnose eines verhornten Plattenepithels stellen, weil das Stratum granulosum zu erkennen ist. Entlang der basalen Schicht der Epidermis finden Sie häufig Pigmente. Das Gewebe der Serie 83a stammt von einem Erwachsenen. Es ist besonders gut geeignet, den Aufbau der Haare zu studieren. Auch in dieser Schnittserie ist das Stratum corneum häufig abgelöst.

84. Achselhaut

84 Mensch, Azan

84a Mensch, ElHvG

Die großen Schweißdrüsen der Achselhaut (Duftdrüsen) sind hier reichlich vorhanden. Die Weite des Lumens variiert in Abhängigkeit vom Funktionszustand der sezernierenden Zellen. Versuchen Sie, Myoepithelzellen zu finden. Zwischen den Duftdrüsen findet man Talgdrüsen und Anschnitte von Haaren sowie kleine Schweißdrüsen.

85. Ohrmuschel

Mensch, ElHvG oder Orcein

Das Gewebe des S-förmigen Schnittes stammt aus dem mittleren Teil der Ohrmuschel. In der Haut sind Schweißdrüsen, Talgdrüsen und Haare gut zu erkennen. Im Inneren des Schnittes liegt der elastische Knorpel. Einige wenige Schnitte stammen von einer anderen Gewebsprobe, bei der die Strukturerhaltung nicht optimal ist.

86. Oberlid

Mensch, HE

Das Gewebe der Serie 86 stammt von verschiedenen Körperspendern. Die Außenfläche des Lides besteht aus mehrschichtigem verhorntem Plattenepithel, am Lidrand geht dieses Epithel über in ein mehrschichtig unverhorntes. Im Fornix finden Sie mehrreihiges Epithel mit Becherzellen. In diesem Organ sehen Sie eine große Anzahl verschiedener Drüsen (z.B. Meibom, Moll, Zeiss, Tränendrüsen). Da es sich um Lider von Körperspendern in hohem Alter handelt, kommen Drüsenanschnitte mit Sekretstau vor.

87. Glandula lacrimalis

Mensch, HE

Diese zusammengesetzte tubulöse Drüse wurde wegen einer allgemeinen Drüsenerkrankung operativ entfernt. Manche der Drüsenendstücke haben ein weites Lumen (pathologisch). Beachten Sie die großen Ansammlungen von Lymphozyten.

88. Retina

88 Marmosetaffe, Semidünnschnitt

88a Rhesusaffe, Goldner

Die Schnitte der Serie 88 können entweder den blinden Fleck, den gelben Fleck oder beide Flecken enthalten. Bei den Schnitten der Serie 88a können Sie zusätzlich zur Retina Augenmuskeln und Nerven erkennen. In einigen wenigen Schnitten der Serie 88a ist das Ganglion ziliare vorhanden. Bei beiden Schnittserien sind Choroidea und Sklera gut erhalten.

89. Augenwinkel

Rhesusaffe, ElHvG

Bei diesen Präparaten handelt es sich um Schnitte durch den vorderen Teil des Auges. Angeschnitten sind Cornea, Iris und Ziliarkörper mit Fibrae zonulares. Warum ist die kleine Region im Winkel zwischen Cornea und Iris von Bedeutung?

90. Innenohr

Meerschweinchen, HE

Das Meerschweinchen hat eine Cochleawindung mehr als der Mensch. Suchen Sie in der Cochlea nach einem gut erhaltenen Anschnitt des Cortischen Organs. Die zarten Strukturen des Cortischen Organs sind durch die notwendige Entkalkung in Mitleidenschaft gezogen. Berücksichtigen Sie im Modiolus Anschnitte des Ganglion cochleare/spirale und des N. acusticus. Einige wenige Schnitte enthalten Anschnitte des Gleichgewichtsorgans.

91. nicht vorhanden

Bitte betrachten Sie vor dem Mikroskopieren alle ZNS Schnitte zunächst makroskopisch!

Die Schnittserien Nr. 92 bis 99 sind so zusammengesetzt, dass eine Hälfte der Serie die Fasern betont, die andere Hälfte die Perikaryen der Neurone.

Eines der üblichsten Verfahren, Perikaryen von Neuronen besonders hervorzuheben, ist die Nisslfärbung mittels Kresylviolett. Es werden Areale von rauhem endoplasmatischem Retikulum angefärbt = Nissl Schollen/Substanz. Auch Zellkerne erscheinen bei einer Nisslfärbung deutlich angefärbt, weil die Substanzen im Kern denen der Ribosomen ähnlich sind (Nukleinsäuren). Zellfortsätze mit Myelinscheiden werden nicht hervorgehoben.

Manche Versilberungsverfahren stellen die Zellfortsätze dar (braune bis schwarze Farbe), weil sich Silber an die Neurofilamente anlagert. Andere Versilberungsverfahren lagern sich im gesamten Zellkörper ab.

Bei der Markscheidenfärbung werden die Myelinscheiden (Oligodendrozyten) färberisch hervorgehoben (zumeist dunkelblau). Die Zellkörper sind nur schemenhaft zu erkennen. In manchen Schnittserien ist eine Kombination dieser Färbevorgänge angewandt worden.

92. Rückenmark

92a Affe, Versilberung n. Novotny

92b Affe, Kresylviolett

93. Rückenmark

93a Affe, Markscheidenfärbung n. Weigert, mod. n. Novotny

93b Mensch, Versilberung n. Gallyas

94. Cerebellum

94a Mensch, Kresylviolett

94b Mensch, HE

95. Cerebellum

95a Mensch, Versilberung n. Gallyas

95b Mensch, Triple staining n. Novotny (Nervenfaserversilberung mit Gegenfärbung in Luxolblau und Kresylviolett)

96. Hippocampus

96a Mensch, Markscheidenfärbung n. Weigert + Kresylviolett, mod. n. Novotny

96b Mensch, Versilberung n. Gallyas

97. Gyrus prae- und postcentralis

97a Mensch, Kresylviolett

97b Mensch, Markscheidenfärbung n. Weigert, mod. n. Novotny

98. Sehrinde

98a Mensch, Versilberung n. Gallyas

98b Mensch, Markscheidenfärbung n. Weigert, mod. n. Blohm

99. Astrozyten und Neurone

99a Mensch, Versilberung n. Golgi-Bubenaite, mod. n. Novotny

99b Mensch, Versilberung n. Golgi-Bubenaite, mod. n. Novotny

100. Fixierungsvergleiche

100a Ratte, Paraffinschnitt, HE + Toluidinblau

100b Ratte, Kryostatschnitt, HE + Toluidinblau

Beide Schnittserien stammen aus der Tasthaarregion einer Ratte (Schnauze). Bei den Schnitten der Serie 100a finden Sie auf jedem Objektträger zwei Schnitte, die von unterschiedlich chemisch fixierten Gewebsproben stammen. Eine Probe ist mit Bouin fixiert worden (Formalin, Pikrinsäure, Eisessig), die andere mit 70% Alkohol. Die Gewebsproben wurden zusammen eingebettet, geschnitten und gefärbt. Die Gewebsprobe für die Schnittserie 100b ist nicht chemisch fixiert worden; sie wurde in einem Kryostaten (s. Anhang) geschnitten, wie dies bei der Schnellschnittdiagnostik bei operativen Eingriffen der Fall ist. Beide Schnittserien wurden mit HE und zusätzlich mit Toluidinblau angefärbt. Versuchen Sie, färberisches Verhalten und Unterschiede in der Strukturerhaltung zu beurteilen, beispielsweise an den Zellkernen (Chromatinmuster) des Epithels.
 

Anhang
ZUM START
Kurzdarstellung zum Werdegang eines histologischen Schnittes

Organentnahme möglichst schnell nach einer Operation oder dem Tode (bei Körperspendern erst nach Feststellung sicherer Todeszeichen).

Fixierung, d.h. Erhalten des momentanen Gewebszustandes durch formalinhaltige Flüssigkeiten (bei Paraffinschnitten) oder Glutaraldehyd (bei Semidünnschnitten), um Autolyse (Veränderungen durch ortsständige Enzyme) oder Fäulnis (durch Bakterien) zu vermeiden.

Behandlung bei Semidünnschnitten mit OsO4 (Lipide reduzieren das OsO4 zu Metall; dadurch erscheinen die lipidhaltigen Strukturen dunkel).

Entwässern durch aufsteigende Alkoholreihe (70%, 80%, 90%, 100%).

Einbringen in ein Intermedium, d.h. eine Flüssigkeit, die sowohl mit Alkohol als auch mit dem nachfolgenden Einbettmittel (Paraffin bei Paraffinschnitten; Kunststoff bei Semidünnschnitten) mischbar ist.

Einbetten in Paraffin bzw. Kunststoff; Erhalt eines schneidbaren "Blöckchens".

Schneiden dieser eingebetteten Proben, d.h. Herstellen von Schnitten auf einem Mikrotom (Schnittdicke bei Paraffinschnitten: 5-10 µm; bei Semidünnschnitten: 0,5-2 µm). Durchmesser der Erythrozyten im konservierten Zustand ca. 7,5 µm; 1 µm = 1/1000 mm

Entfernen des Einbettmittels Paraffin durch Xylol und weitere Behandlung durch Alkohol und Wasser, um das Eindringen der meist wässrigen Farblösungen zu ermöglichen.

Färben dieser Schnitte, d.h. Sichtbarmachen verschiedener Strukturen durch unterschiedliche Farblösungen (Paraffinschnitte); bei den Semidünnschnitten in unserem Kurs wurde das Einbettmedium (Kunststoff) nicht entfernt. Nur wenige gelöste Farbstoffe dringen deshalb in das Gewebe ein.

Konservieren der Schnitte durch Entwässerung (Alkohole und Xylol) und Eindecken (Aufbringen eines Deckglases mit einem synthetischen Kleber, der einen hohen Brechungsindex aufweist).

Kryostatschnitt: Unfixiertes Gewebe wird sofort nach Entnahme bei ca. -190 °C in flüssigem Stickstoff schockgefroren. Das Gewebe wird auf einem Mikrotom in einer Gefrierkammer (Kryostat) bei ca. -20 °C geschnitten.
 


Färbetabelle

ZUM START
 
 
Färbung/Reaktion Kern Zytoplasma Muskulatur Bindegewebe Besonderheiten
HE = Hämalaun Eosin blau Rosa rötlich rosa  
ElHvG = Elastica Hämatoxylin van Gieson braun bis schwarz Dunkelgelb gelb kollagenes BG rötlich elastische Elemente tief violett
HvG = Hämatoxylin van Gieson braun Dunkelgelb gelb kollagenes BG rötlich  
Azan rot Rötlich rot blau  
Goldner braun bis rötlich Rötlich rot grün  
PJS = (Perjodsäure Schiff Reaktion) + Hämalaun blau bläulich rötlich fad rötlich neutrale Glycosaminoglykane magenta
Alzianblau + Kernechtrot rot rötlich     saure Glycosaminoglykane blau
Toluidinblau bei Semidünnschnitten blau bläulich blau blau Mastzellgranula violett
Kresylviolett violett bis blau       Nissl Schollen violett
Delafield + van Gieson bläulich bläulich gelb bis braun kollagenes BG rötlich Glanzstreifen tief braun
           
Versilberungen          
E. Novotny + Kernechtrot rot       Retikulinfasern schwarz
E. Novotny, Hämatoxylin + van Gieson zart rosa     kollagenes BG violett Retikulinfasern schwarz
           
Versilberungsmethoden für Nervengewebe: siehe Präparatebeschreibung          

Die Farbtöne können in Abhängigkeit vom Fixierungsmittel und der Schnittdicke variieren.